Im Rhein-Main-Gebiet leben über 50 Säugetierarten. Viele Arten bekommen wir allerdings nie zu Gesicht, da sie sehr heimlich leben. Dazu zählen vor allem Nagetiere wie die Haselmaus, die unser Dezemberplakat ziert.
Der kleine Nager lebt versteckt in Wäldern mit reichem Unterholz. Offene Landschaften meidet die Haselmaus dagegen. Während sie tagsüber in den typischen etwa faustgroßen Kugelnestern schläft, klettert sie nachts auf der Suche nach Nahrung geschickt durchs Geäst.
Anders als der Name vermuten lässt, sind Haselmäuse keine Echten Mäuse. Man rechnet sie vielmehr zur Familie der Bilche oder Schlafmäuse. Als echte Schlafmäuse ziehen sie sich schon Mitte Oktober in ihre Schlupfwinkel zurück. In eine kugelige Hülle aus Laub, Moos und Gras eingerollt halten sie Winterschlaf bis in den Mai hinein. Während dieser Zeit zehren sie von den angelegten Fettpolstern und verlieren dabei etwa die Hälfte ihres Gewichtes.
Meist in den Monaten Mai bis September werden zwei bis sechs kleine Haselmäuse geboren, die sechs bis acht Wochen bei der Mutter bleiben. Dann geht der Nachwuchs eigene Wege. Bei günstigen Bedingungen können manche Weibchen im Spätsommer noch ein zweites Mal trächtig werden. Bis Anfang Oktober erfolgt dann die Aufzucht der Jungen.
Wie viele andere Tierarten auch profitieren Haselmäuse von naturnahen Wäldern mit reicher Strauchschicht. Hier finden sie zu jeder Jahreszeit das passende Futter – Knospen und Blüten im Frühjahr, Beeren und Früchte im Sommer, Samen und Nüsse im Herbst. In leer geräumten und intensiv genutzten Wirtschaftswäldern können sie dagegen nicht überleben.
Breit ausgebaute (Forst)straßen verhindern zudem, dass die Tiere wandern können. Der Genaustausch zwischen verschiedenen Populationen wird so verhindert, und leere Reviere können nicht besiedelt werden.
Diese Ursachen sind mit ein Grund dafür, dass die Haselmaus mittlerweile auf der Roten Liste Deutschlands steht und auch nach nationalem (Bundesnaturschutzgesetz) und europäischem Recht (FFH-Art) geschützt ist.
Aufgrund der versteckten Lebensweise ist es schwierig genau zu sagen, wie viele Haselmäuse noch in unseren Wäldern leben. Dennoch hat sich seit einiger Zeit eine Methode etabliert, um den scheuen Nagern auf die Spur zu kommen. Naturschutzorganisationen wie BUND und NABU organisieren nach englischem Vorbild die sogenannte Nussjagd. Vor allem Schulklassen aber auch andere freiwillige Helfer suchen dabei gezielt nach Haselnüssen, die von Haselmäusen geknackt wurden. Anhand der charakteristischen Fraßspuren kann man nämlich erkennen, ob die Nuss von Eichhörnchen, Rötelmaus oder anderen Nussliebhabern angeknabbert wurde.
So beteiligten sich 2004 bei der ersten großen Nussjagd in Sachsen über 4.500 kleine und große Nussjäger, unter anderem 142 Kindergärten und Schulen. Mittlerweile gibt es die Nussjagd auch in Hessen. In der Jagdsaison 2007/08 sammelten 7131 Kinder bei der Nussjagd insgesamt 92.913 Haselnüsse. 737 Nüsse konnten dabei anhand der Knabberspuren eindeutig der Haselmaus zugeordnet werden. In 100 verschiedenen Gebieten konnte so die Haselmaus nachgewiesen werden.
Mit einem Gewicht von 15 bis 35 g und einer Körperlänge von etwa 14 cm ist die Haselmaus eines unserer kleineren Säugetiere. Doch es gibt noch weit kleinere Tiere. So wiegt die Zwergfledermaus nur 3,5 bis 7 g. Sie ist so klein, dass sie problemlos in einer Streichholzschachtel Platz finden könnte. Am anderen Ende der Skala steht der Rothirsch. Mit einer Körperlänge von etwa zwei Metern und einem Gewicht von bis zu 180 kg ist er unsere größte freilebende Säugetierart. Die Hirsche im Rhein-Main-Gebiet erreichen allerdings meist nicht die kapitalen Ausmaße ihrer osteuropäischen Vettern.
Neben diesen beiden Extremen gibt es im Rhein-Main-Gebiet über 50 weitere Säugetierarten. Einen Großteil der Arten stellen dabei die Nagetiere und Fledermäuse.
Gerade in letzter Zeit sind auch einige Neubürger hinzugekommen. Erfolgte die Einwanderung nach dem Jahr 1500 spricht man auch von Neozoen. Prominente Beispiele sind etwa die Nutria, die z.B. im Mönchbruch fast schon handzahm geworden sind. Doch auch so bekannte Arten wie Bisamratte und Wildkaninchen waren ursprünglich in Deutschland nicht heimisch, sondern sind erst später eingewandert bzw. wurden eingeführt.