Bildungsangebote

Bildung macht zukunftsfähig!

Auch für für die Erhaltung der Biologischen Vielfalt gilt: Bildung ist der Schlüssel zum Erfolg!

Denn nur wer bescheid weiß, kann auch handeln. Wer versteht, kann eigene Lösungen entwickeln, und über die Begeisterung für ein Thema kann langfristiges Engagement entstehen.

Im Netzwerk BioFrankfurt wurden verschiedene Angebote für Schulen, Schüler und Lehrer entwickelt, die das Thema Biologische Vielfalt altersgerecht vermitteln und zusätzlich zu den laufenden Aktivitäten der einzelnen Netzwerkpartner angeboten werden.

 

 

Forschungsergebnisse zur Biodiversitätsbildung an außerschulischen Lernorten in Hessen

Gastbeitrag von Jennifer Gatzke

 

Biologische Vielfalt ist in aller Munde. Schließlich zählen wir das 20. Jahr nach Beschluss der Konvention zur Biologischen Vielfalt und befinden uns im zweiten Jahr der Internationalen Dekade der Biodiversität (2011-2020).
Damit Menschen Verantwortung für Schutz und Erhaltung der Biologischen Vielfalt übernehmen, ist es notwendig, sie schon früh mit diesem Thema vertraut zu machen. Außerschulische Lernorte wie Zoos oder Museen können dazu einen wichtigen Beitrag leisten. Sie ermöglichen die anschauliche, authentische Vermittlung von Biodiversität, mit all ihren Werten.
Spricht man von Biodiversitätsbildung, gehen die Meinungen darüber, was darunter zu verstehen ist, weit auseinander. Der Grund dafür leuchtet schnell ein: Biologische Vielfalt hat viele Gesichter und die Zahl ihrer Definitionen lässt sich mittlerweile nicht mehr an einer Hand abzählen. In der Abteilung der Biodidaktik der Johann Wolfgang Goethe Universität wurden nun im Rahmen einer Masterarbeit Bildungsangebote zur Biologischen Vielfalt in Hessen erhoben und inhaltlich ausgewertet, um den Stand der Implementation von Biodiversitätskursen zu beschreiben. Hierzu wurde eine webbasierte Angebotsanalyse durchgeführt. Im Fokus standen dabei die Kurse didaktisch gestalteter, außerschulischer Lernorte. Darunter sind alle Lernorte zu verstehen, die wie beispielsweise viele Zoos, Botanische Gärten, Museen und sonstige Grüne Lernorte buchbare Kurse für Kindergruppen und Schulklassen anbieten.

Von allen 772 in Hessen per Internetrecherche gefundenen Lernorten, die sich potenziell mit Themen der Biodiversität befassen, wurden in die Untersuchung nur solche aufgenommen, die auf ihren Internetseiten Kurse mit Kursbeschreibungen anbieten. Die 96 Lernorte, die dieses Kriterium erfüllten, wiesen insgesamt 1148 Kurse auf, von denen schließlich jeder Zweite im Hinblick auf Biodiversitätsthemen analysiert wurde. Dabei wurden folgende drei Hauptaspekten der Biologischen Vielfalt betrachtet: Wird in den Kursen eine der drei Ebenen der Biologischen Vielfalt (genetische Vielfalt, Artenvielfalt, Lebensraumvielfalt) behandelt? Werden in den Kursen der Wert und die Funktionen der Vielfalt dargestellt? Und werden in Kursen Inhalte der Konvention zur Biologischen Vielfalt, wie nachhaltige Nutzung oder der Schutz der Biologischen Vielfalt, bearbeitet?
Die Regeln zur Beantwortung der entsprechenden Fragen wurden in einem sogenannten Kodebuch festgehalten. Damit erfolgte die Beurteilung der Kurse nach festgelegten Entscheidungskriterien und somit weniger anhand subjektiver Einflüsse des Kodierers. Auf Grundlage der Kodierung der Kursangebote im Hinblick auf die drei genannten Hauptaspekte konnten die Kurse in unterschiedliche Kurstypen eingeteilt werden, die einen Überblick darüber geben, wie ganzheitlich Biologische Vielfalt an den ausgewählten Lernorten Hessens vermittelt wird. Bei der Interpretation der Ergebnisse ist zu beachten, dass davon ausgegangen wird, dass sich die Inhalte der Kursbeschreibungen in der Praxis wieder finden lassen. Dies bedeutet auch, dass aufgrund der gewählten Methode Inhalte der Kurse, die nicht Teil der Kursbeschreibung sind, keine Berücksichtigung finden konnten.

Ergebnisse
Die Ergebnisse der webbasierten Angebotsanalyse der Kursinhalte zeigen, dass Kurse, die nur die Ebenen der Biodiversität behandeln, am häufigsten sind. Auch Kurse, die mindestens eine Ebene der Biodiversität und gleichzeitig den Wert der Vielfalt behandeln, sind zahlreich. Als selten entpuppten sich solche Kurse, die sich allen drei genannten Hauptaspekten widmen. Die Studie deckt somit auf, dass es nur wenige Kurse gibt, in denen das Thema Biodiversität umfassend und ganzheitlich behandelt wird.
Trotz der Aktualität und Brisanz von Themen wie Lebensraumzerstörung durch Klimawandel, Ressourcenverbrauch und Umweltverschmutzungen, werden diese Themen, mit denen sich auch die Konvention der Biologischen Vielfalt befasst, in den meisten untersuchten Kursen nicht behandelt. Gerade weil der Verlust der Biologischen Vielfalt zur Verminderung der Lebensqualität künftiger Generationen führen kann, sollte auf diese Themen in Zukunft stärker eingegangen werden. Aus pädagogischer Sicht ist dabei „Schwarzmalerei“, die auch als Katastrophenpädagogik bezeichnet wird, unbedingt zu vermeiden. Vielmehr sollte es darum gehen, Handlungskompetenzen zu vermitteln, die es ermöglichen, dem Problem des voranschreitenden Biodiversitätsverlustes konstruktiv zu begegnen.

Was bietet der Workshop „Biodiversität – Basis des (Über-)Lebens“?
Der Kurs zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass alle drei Aspekte des Biodiversitätskonzepts behandelt werden. Jennifer Gatzke, Autorin der Studie, nahm den Workshop von BioFrankfurt zum Thema „Biodiversität – Basis des (Über-)Lebens“ genauer unter die Lupe. Anders als bei den in der Studie analysierten Kursen, analysierte die Autorin hierzu nicht nur die Kursbeschreibung. Zusätzlich besuchte sie den Workshop und verglich die in der Kursbeschreibung dargestellten Inhalte mit der Realität.
Im Kurs werden neben den Ebenen der Biologischen Vielfalt auch die Funktionen und Werte der Vielfalt sowie ihre Bedrohung begreifbar gemacht. Damit zeigt das Workshop-Angebot großes  Potenzial, Menschen zur Gestaltung einer nachhaltigen Zukunft zu befähigen. Es hebt sich dadurch bezogen auf Biodiversitätsbildung von den meisten untersuchten Kursen außerschulischer Lernorte Hessens positiv ab und beweist, dass eine sinnvolle Verknüpfung aller drei Aspekte möglich ist. Eine derartig ganzheitliche Betrachtung des Biodiversitätskonzepts ist in Hessen, zumindest die aus dem Internet gewonnen Kursbeschreibungen betrachtend, bisher selten zu finden und dass obwohl diese für die Vermittlung der Handlungskompetenzen zum Schutz der Biologische Vielfalt von großer Wichtigkeit ist. Aus diesem Grund verfolgt Jennifer Gatzke eine gezielte Förderung der ganzheitlichen Biodiversitätsbildung und steht Interessierten gerne beratend zur Seite.


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Kontakt:
Jennifer Gatzke, M.Sc.
jennygatzke [at] t-online.de

Quelle:
Vielfalt oder Einfalt? Webbasierte Angebotsanalyse der Biodiversitätsbildungskurse didaktisch
gestalteter, außerschulischer Lernorte Hessens.

Masterarbeit von Jennifer Gatzke am Institut für Ökologie, Evolution und Diversität; Abteilung Didaktik der Biowissenschaften; Johann Wolfgang Goethe Universität, Frankfurt am Main

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